I love Tunisia : 5 Fakten zu Urlaub in Tunesien

I love Tunisia : 5 Fakten zu Urlaub in Tunesien

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vendredi, 06 avril 2018
allemagne

Als in Tunesien zur Jahreswende 2010/2011 die zu Beginn euphorisch als „Arabischer Frühling“ bezeichnete Rebellion in der arabischen Welt ihren Anfang nahm, verfolgte der halbe Globus gebannt die epochalen Umbrüche in Nordafrika. Tunesien ist auch für viele Menschen in Deutschland mehr als nur ein Land aus dem Erdkundeunterricht: Es ist seit Jahrzehnten ein klassisches Reiseziel, oftmals verbunden mit schönen Urlaubserinnerungen in nur zwei Flugstunden Entfernung. Und für ganze Generationen – einer vor allem männlichen Leserschaft – begann die Faszination für den „Orient“, zu dem Nordafrika im strengen Sinne gar nicht gehört, mit Karl Mays erstem Band „Durch die Wüste“, dessen Abenteuer am legendären Salzsee „Schatt El Djerid“ in Südtunesien seinen Anfang nimmt.

Doch all diese Punkte sind kein Garant für einen Touristenboom. Diese schmerzhafte Erfahrung müssen die Tunesier seit ihrer Revolution machen. In Folge der politischen Umbrüche und zweier blutiger Anschläge auf Touristen im Jahr 2015 sind die Besucherzahlen eingebrochen und erholen sich nur mühsam.

Dabei haben nur wenige Länder so viel Sonne, so lange Strände, so gut erhaltene Stätten des Weltkulturerbes und eine so ungewöhnliche junge Demokratie zu bieten wie das Land am nördlichsten Punkt Afrikas.

Tunesien ermöglicht dem Besucher, Urlaub in einem Land zu verbringen, in dem man nicht nur Tourist ist, sondern auch Hoffnungsstifter für ein auf wirtschaftlichen Erfolg so angewiesenes Nachbarland Europas. Urlauben, und dabei Gutes tun. Wie das gelingt, beschreibt Ralf Erbel, Büroleiter der Stiftung für die Freiheit in Tunis.

„All-inclusive“-Angebote ignorieren

Wer Tunesien erleben will, muss bereits zum Zeitpunkt der Reisebuchung rebellisch sein und die oftmals verlockenden „all-inclusive“-Angebote der Reiseanbieter ignorieren. Wer sich die Mühe macht, mit etwas Vorbereitung auf eigene Faust das Land zu erkunden, wird belohnt:

Statt sich zum Verwechseln ähnelnder Hotelburgen erwarten Sie charmante Pensionen (in Tunesien „Maison d’Hôtes“ genannt). Anstelle langweiliger, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner internationaler Geschmäcker ausgerichtete Buffets erleben Sie die landestypische mediterrane Küche. Und statt des abendlichen Animationsprogramms schlendern Sie durch die Gassen des Weltkulturerbes von Tunis und Kairouan oder durch die malerischen Altstädte von Sidi Bou Said und Mahdia.

Wer dazu mit öffentlichen Verkehrsmitteln das Land erkundet – per Zug, Sammeltaxi oder Bus –, kommt schnell ins Gespräch mit den sprachbegabten Tunesiern, am besten auf Französisch, aber immer häufiger auch auf Englisch und Deutsch. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie an nur einem Tag individueller Reise mehr über Land und Leute lernen als in zwei Wochen Cluburlaub, sind groß!

Fünf Fakten und Tipps zu Tunesien

 1. „I love Tunisia“:

Wer die berühmte, von den Franzosen im Stil europäischer Prachtstraßen erbaute Avenue Habib Bourguiba in der Innenstadt von Tunis besucht, kann den erst seit wenigen Monaten aus großen roten und weißen Bausteinen errichteten Schriftzug gegenüber der Kathedrale nicht übersehen: „I love Tunisia“! Als Fotomotiv hat es unter Tunesiern in den sozialen Medien eine virale Erfolgsgeschichte ausgelöst und in der nach Jahren der wirtschaftlichen Krise geschundenen tunesischen Seele einen Nerv getroffen. Und wer weiß: mit etwas Glück gehen auch Ihnen am Ende des Urlaubs diese Worte leicht über die Lippen.

2. Tunesien als Schauplatz des Zweiten Weltkriegs:

Wer Mitte November, also in der Nebensaison, Tunesien bereist, sollte einen Besuch des Soldatenfriedhofs „Bordj Cedria“, in dem mehr als 8.500 deutsche Soldaten des Tunesienfeldzugs aus dem Zweiten Weltkrieg beerdigt sind, einplanen. Am Volkstrauertag, der jedes Jahr zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen wird, findet unter Beteiligung der diplomatischen Vertretungen der früheren Kriegsparteien eine Gedenkzeremonie in Erinnerung an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen statt. Bordj Cedria liegt ca. 25km östlich von Tunis.

3. Claudia Cardinale

Wussten Sie, dass die schöne Filmdiva, die im Jahr 1968 mit ihrer Hauptrolle in Sergio Leones Italowestern „Spiel mir das Lied vom Tod“ in die Kinogeschichte einging, als Tochter sizilianischer Einwanderer im Vorort „La Goulette“ in der Nähe des Hafens von Tunis geboren wurde? Bis in die 1960er Jahre prägten Italiener und Juden das Viertel, von deren florierender Vergangenheit heute neben dem architektonischen Erbe vor allem eine lebhafte Restaurant- und Barszene Zeugnis ablegt. Mein Tipp ist das altmodische „Café Vert“ auf der Avenue Franklin Roosevelt. Das Restaurant ist eine lokale Institution und auch bei der politischen Elite des Landes beliebt. Claudia Cardinale habe ich hier hingegen leider noch nicht angetroffen, aber vielleicht haben Sie ja mehr Glück!

4. Welterbestätten

Nicht weniger als acht (!) UNESCO Welterbestätten liegen in Tunesien, darunter sieben Stätten des Weltkulturerbes und eine Stätte des Weltnaturerbes. Vom punischen Hafen in Karthago über einige der besterhaltenen römischen Bauwerke der Welt bis zu islamischen Stätten bezeugt dieser kulturelle Reichtum die multiplen zivilisatorischen und kulturellen Wurzeln des Landes. Im Gegensatz zu Europa, wo viele Sehenswürdigkeiten von Touristen regelrecht überlaufen sind, können Sie in Tunesien oftmals fast ungestört die Geschichte auf sich wirken lassen. Einmalig!

5. Das Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Wussten Sie, dass die Auslandsarbeit unserer heute in 60 Ländern aktiven Stiftung im Jahr 1964 in Tunesien ihren Anfang nahm? Als liberaler Akteur unterstützt die Stiftung reformorientierte Akteure aus Politik, Unternehmertum, der Verwaltung und Zivilgesellschaft des Landes.

Politisch interessierte Besucher aus Deutschland sind herzlich eingeladen, mit uns vor Ort Kontakt aufzunehmen. Liberale politische Bildung und die Beförderung von Politikdialog sind Kernaufgaben unseres Auftrags, den wir mit Engagement und Freude wahrnehmen.

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